Vortragsabend

Mittwoch, 8. Juni 2022 um 19 Uhr Foyer Kursaalgebäude, Bad Ems

Referent: Prof. Axel Beer, Mainz

Keine Kuren ohne Musik. Ein Streifzug durch das 19. Jahrhundert.

Die Bad Emser Kurmusik stand schon mehrmals im Blickpunkt der regionalen Kulturgeschichtsforschung. Vielfach richtete sich die besondere Aufmerksamkeit auf die „Stars“ der Musikszene des 19. Jahrhunderts, auf Jenny Lind und Clara Schumann, auf Charles De Bériot, Giacomo Meyerbeer, Jacques Offenbach, Richard Wagner und Carl Maria von Weber – sie alle waren hier, sei es zur Kur, sei es aber auch, um sich bei Konzerten vom begeisterten Publikum bejubeln zu lassen; ihnen begegnet man auch noch heute, wenn man mit offenen Augen herumschlendert und an den metallenen Erinnerungstafeln Halt macht.

Was bisher hingegen kaum Beachtung fand, ist der musikalische Alltag während der Kurzeit – die Gäste erwarteten und erhielten eine umfangreiche, verlässliche und professionelle Versorgung auch in Sachen musikalischer Unterhaltung, für die die Kurkapelle mit einem ausgewählten und stets aktuellen Programm sorgte; die Musik, die damals erklang, ist dem Gedächtnis der Nachwelt zum großen Teil ebenso abhanden gekommen wie die Erinnerung an die Namen derer, die als Kapellmeister die Verantwortung für die Qualität in diesem Sektor sorgten. Wer kennt schon die Namen Joseph Roleder, Anton Kliegl, Johann Sebastian Weigand, Adolf Hempel und Louis Keiper – sie alle hat der Schattenwurf der „Großmeister“ im Laufe der Zeit verdeckt, und ihre Musik (wie diejenige zahlloser anderer) schlummert – wenn sie überhaupt erhalten geblieben ist – in den Archiven vor sich hin.

Wir werden uns auf Spurensuche begeben und einmal jenseits des Bekannten schauen, ob es möglich ist, ein wenig von der Atmosphäre nachzuerleben, die den Kuralltag der Zeitgenossen bereicherte. Damit verbunden wird auch ein Einblick in die aktuelle musikhistorische Aufarbeitung gegeben.